|
Interview
Last update:
FQ February 08th, 2005 (12:00 MEZ) |
Es
kann nur einen geben! ... und wartet ... |
Hinweis: Für weitere Informationen:
Fragen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23 Vorgeschichte: Unzweifelhaft ist Shredder von Stefan Meyer-Kahlen die Nummer 1 unter den Schachprogrammen (Engines). Wer zweifelt nach so vielen Erfolgen, die Stefan erringen konnte, an diesem Tatbestand? Sechs Weltmeistertitel (1996 WM Mikro, 1999 WM aller Klassen, 2000 WM Mikro, 2001 WM Mikro, 2002 WM Blitz, 2003 WM Blitz und aller Klassen) und viele andere Titel wie z. B. IPCCC Turniere in Paderborn, 2000, 2001, 2002 oder das vierte internationale CSVN Turnier in Leiden 2004 kann Stefan auf seinem Erfolgskonto verbuchen. Die Versionen Shredder 7.04 und 8.0 führen fast alle einschlägigen Ratinglisten an. Dennoch legt der erfolgreiche deutsche Programmierer keinesfalls eine schöpferische Pause ein und entwickelte Shredder 9.0. Auszüge der Webseiten von Stefan Meyer-Kahlen: 28.1.2005 January 28,
2005
Interview Einer
der größten Kinohits im Jahre 2004 war Troja, in der Hauptrolle Brad Pitt
als Krieger „Achilles“. Auszug aus dem Film Troja: Nach einer Kampfszene (Kapitel 3, zwei Kriegspartien mit tausenden von Kriegern stehen sich gegenüber, die besten Kämpfer der beiden Parteien tragen das Gefecht aus). Achilles besiegt die furcht erregende Kampfmaschine der verfeindeten Seite.
Der Dialog nach dieser Szene: Achilles steht nach dieser atemberaubenden Kampfszene vor tausenden Kriegern der besiegten Streitmacht und spricht …
Achilles: „Ist das wirklich alles“ Achilles: „Ist das wirklich alles“ … etwas lauter! … der Heerführer greift ins Geschehen ein … Heerführer: „Wer bist Du Soldat“ Achilles: „Achilles, Sohn des Peleus“ Heerführer: „Ich werde mir diesen Namen merken“
01. Frank Quisinsky: Im Grunde können „Wir“ Computerschachfreunde diese Szene auf Deine Leistung bzw. Dein Schachprogramm Shredder projizieren. Wir haben uns den Namen Shredder gemerkt und seit Shredder 7.04 ist auch der Spruch von Achilles „Ist das wirklich alles“ hinsichtlich Deiner Gegnerschaft anwendbar. Denkst Du derzeit darüber nach, Deiner Zertrümmerungsmachine „Shredder“ nicht einen noch aussagekräftigeren Namen wie z. B. „Achilles“ zu geben?
Quelle Bild, ChessBase:
Stefan Meyer-Kahlen: Nein, ich denke, dass Shredder ganz gut passt. Wie ich schon oft erzählt habe, ist der eigentliche Grund, warum Shredder Shredder heißt gar nicht der, dass er seine Gegner zertrümmern oder zershreddern soll. Damals bei der Namensgebung war ich in jeder freien Minute Windsurfen, und als Student hat man sehr viele freie Minuten :-) Beim Windsurfen in den Wellen zershreddert man die Welle mit seiner Finne, das ist der wahre Grund, warum Shredder so heißt. Im Laufe der Zeit hat sich dann aber auch die zweite Bedeutung, nämlich dass er die Gegner zershreddert, mehr und mehr durchgesetzt.
02. Frank Quisinsky: Letztendlich wurde Troja durch die List des trojanischen Pferdes erobert. Zum Teil besteht Deine List sicherlich auch in der Zusammenarbeit mit Buchautor Sandro Necchi (Italien). Bist Du Buchvarianten selbst am Überprüfen oder überlässt Du diesen Part ausschließlich Sandro? Wie oft tauscht Ihr Meinungen und Ergebnisse aus?
Stefan Meyer-Kahlen: Richtig, mit der Zusammenarbeit mit Sandro bin ich sehr zufrieden. Sandro arbeitet in der Regel sehr eigenständig am Buch. Wir diskutieren aber oft Varianten und überlegen uns, was wir mit Shredder spielen können. Sandro kennt Shredder mittlerweile so gut, das er oft besser als ich einschätzen kann, was für Shredder gut and was nicht so gut ist. Ich mache ihm auch öfters Vorschläge, wie z.B. Sandro, sollen wir nicht mal die Eröffnung X oder Y ausprobieren. Manchmal klappt das dann, manchmal aber leider auch nicht. Das Buch ist mittlerweile sehr ausgereift und vor allem im Turnierbuch haben wir ein sehr gutes System von Zügen und Varianten, mit dem wir uns flexibel auf die Gegner und die Turniersituation einstellen können.
03. Frank Quisinsky: Bei Turnieren unter der Arena Chess GUI nutze ich hauptsächlich das Eröffnungsbuch von Harry Schnapp. Bei der Analyse von Shredder 8.0 Verlustpartien, unter Verwendung des „Einheitsbuches“ von Harry, ist mir aufgefallen, dass Shredder zwar nicht mit Eröffnungsnachteil aus dem Buch geht, aber später in sehr offenen Mittelspielstellungen taktisch anfällig ist (andere Schwächen kann ich beim besten Willen nicht finden). Sandro wird versuchen bei einem „Enginebuch“ solche Eröffnungen zu vermeiden, wie ich anhand von einigen Buchvergleichen feststellen konnte. In vielen anderen Partiephasen erscheint mir Shredder 8.0 gegenüber der Version 7.04 deutlich verbessert, allerdings habe ich den Eindruck, dass der wahrscheinliche Zuwachs an Spielstärke aufgrund der festgestellten Schwäche fast kompensiert wird. Als Gesamtergebnis kommt unterm Strich dann doch eine Steigerung der Spielstärke bei längeren Bedenkzeiten und Langzeitanalysen heraus.
Hast Du Shredder 8.0 gegenüber Shredder 7.04 taktisch abgeschwächt um vielleicht den positionellen Part zu stärken? Könntest Du uns grundsätzlich ein paar Informationen über die Ideen zur Spielstärkeverbesserungen zwischen den genannten Shredder Versionen geben?
Stefan
Meyer-Kahlen:
04. Frank Quisinsky: In Anbetracht der letzten Frage wäre es interessant zu wissen, ob Du selbst mehr Spaß an taktischen, strategischen oder positionellen Partien hast. Schaust Du Dir gerne Endspiele an oder betrachtest Du Endspiele eher als notwendiges Übel? Anderes gefragt, Du sitzt vor dem TV in heller Vorfreude auf eine Live Partie zwischen zwei bekannten Großmeistern. Wünschst Du Dir eine offene, taktische oder eher eine positionelle ruhige Partie mit offenen Ausgang im Endspiel?
Stefan
Meyer-Kahlen:
05. Frank Quisinsky: Bei Amateurprogrammen ist oftmals zu beobachten, dass die Spielstärke beim Übergang vom Mittelspiel zum Endspiel abfällt. Nicht nur in diesem Bereich befriedigt Dein Schachprogramm die höchsten Ansprüche. Ist diese Partiephase rückblickend der programmiertechnisch aufwendigste Entwicklungsbereich in Shredder gewesen?
Stefan
Meyer-Kahlen:
06. Frank Quisinsky: Dein Weg zur Nummer 1 wurde „begleitet“ von verschiedenen Persönlichkeiten der Szene. Ich nenne Dir drei Namen und bitte Dich zu jeden Namen einen kurzen Kommentar in einem Satz abzugeben!
Stefan Meyer-Kahlen: Ingo hat mit seinem 3-Hirn viel erreicht und bereichert die Computerschachszene immer wieder mit neuen Ideen. Ossi ist besser als sein Ruf, mir gegenüber war er immer sehr fair. Matthias hat eine sehr gute Firma mit sehr guten Produkten aufgebaut.
Ich gebe ab an meinem Interview Partner Alexander Schmidt …
07. Alexander Schmidt: Du bist ja nicht nur der Programmierer des zurzeit stärksten Schachprogramms, sondern hast mit Shredder Classic auch noch eine sehr beliebte GUI entwickelt. Seit einiger Zeit vermarktest Du deine Programme selbst. Wie viel Zeit verbringst Du mit der Verbesserung und Vermarktung von Shredder und wie lässt sich das alles mit deinem Beruf und der Familie vereinbaren?
Stefan
Meyer-Kahlen:
08. Alexander Schmidt: Bevor Shredder zur Nr.1 der Schachprogramme aufstieg lag die Spielstärke der besten Schachprogramme sehr eng beieinander. In den letzten Jahren ist die Frage welches Programm am stärksten ist unter den Usern unbestritten. Wie schaffst Du es der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein und was macht Shredder besser als Fritz und die Anderen?
Stefan Meyer-Kahlen: Die Arbeit an Shredder ist sehr zeitintensiv, da wie oben beschrieben nicht immer alles so klappt, wie man es sich vorstellt. Ich hatte bisher auch immer das Glück, dass ich noch weitere gute Ideen hatte. Die beste Arbeit an der Shredderengine erfolgt auch nicht an der Tastatur sondern im Kopf. Ich meine, dass ich mich nicht so einfach vor den Monitor setzten kann und dann sage, so, jetzt verbessere ich mal Shredder. Zunächst braucht man eine Idee. Die besten Ideen habe ich nicht am Rechner sondern sie kommen, wenn ich intensiv darüber nachdenke oder wenn ich etwas ganz anderes mache und plötzlich wie aus dem nichts ein Einfall kommt. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen blöd, im Prinzip ist es aber so. Wichtig ist auch noch ein gutes Team von Testern, die dann systematisch versuchen, die Verbesserungen oder Verschlechterungen einer Version zu erforschen. Ich arbeite lieber intensiv mit wenigen Leuten als mit großen Teams, in denen das Bewältigen der Kommunikation untereinander viele neue Probleme aufwirft. Es ist auch außerordentlich schwierig, gute und verlässliche Tester zu bekommen.
09. Alexander Schmidt: Die Usergemeinde hat sehnlichst auf Shredder 9 gewartet, nun ist es endlich verfügbar. Wo liegen die Unterschiede zur Shredder 8 Engine und welche Änderungen wird es in der Shredder Classic GUI geben?
Shredder 9 UCI, bitte klicken Sie auf Bild um eine Vergrößerung zu erhalten (173 kB)
Weitere Information unter:
Stefan Meyer-Kahlen: Die neue Engine kann Verteidigungsressourcen bei Königsangriffen besser bewerten und erkennt einen bevorstehenden Königsangriff schon eher. Das gilt sowohl für den eigenen als auch für den gegnerischen König. Shredder 9 sollte auch etwas druckvoller spielen als sein Vorgänger. Im Endspiel werden viele schwer zu gewinnenden Stellungen nun auch deutlich remislicher bewertet als es Shredder 8 getan hat. Des Weiteren gibt es noch viele kleinere Verbesserungen. An der GUI ist die Optik neu, die nun viel moderner aussieht. Wir haben auch einen Server im Internet eingerichtet, auf denen zurzeit mehr als 750 GB Endspieldatenbanken lagern, d.h. alle bisher verfügbaren 5- und 6-Steiner. Die neue GUI kann auf diesen Server direkt zugreifen, so dann man alle Endspieldatenbanken direkt zur Verfügung hat, ohne sie lokal bei sich installieren zu müssen. Shredder kann wie mit lokalen Datenbanken auch für jeden Zug den genauen Wert bestimmen und auch die Jokeranalyse klappt online. Der Zugriff geht dabei so schnell, dass man den Eindruck hat, alles lokal vor Ort zu haben.
10. Alexander Schmidt: Es gibt immer wieder Schachspieler die sich mit Computerschach beschäftigen und sich auf das Spiel gegen Programme spezialisieren. Oftmals kann ein solcher Experte den 800 ELO Punkten stärkeren Programmen mit einer vorsichtigen geschlossenen Spielweise ein Remis abringen oder durch langfristige Opfermotive sogar gewinnen. Ist die Jagd nach ELO Punkten in Computerschachranglisten Dein primäres Ziel bei der Weiterentwicklung von Shredder oder gibt es auch noch andere wichtige Aspekte wie das Spiel gegen Menschen?
Stefan
Meyer-Kahlen:
11. Alexander Schmidt: Es gibt in der Zwischenzeit einige Amateurprogramme mit öffentlichem Quellcode. Schaust Du dir solche Sourcen an und kann man als mehrfacher Weltmeister selbst noch neue Ideen daraus gewinnen? Welches Programm findest Du dabei besonders interessant?
Stefan Meyer-Kahlen: Richtig intensiv habe ich mir noch keinen Programmcode angeschaut. Den Code von Fruit habe ich kurz gesehen und mir ist direkt aufgefallen, dass alles sehr sauber aussieht. In Crafty habe ich auch schon mal reingeschaut, Ideen habe ich dabei aber auch nicht bekommen. Mehr Programme habe ich nicht gesehen. Ich finde es aber gut, dass es starke Programme im Quellcode gibt, so muss man als Anfänger nicht bei Null anfangen und kann mal schauen, was die anderen so machen.
12. Alexander Schmidt: In den Computerschachforen wurde teilweise die Preispolitik bei Shredder 9 kritisiert. In der Vergangenheit gab es die Multiprozessor Version und die Shredder Classic Oberfläche als kostenlosen Bonus zu dem Chessbase Produkt. Mit Shredder 9 wurde zu marktüblichen Preisen gewechselt, das Update für die Käufer von Shredder Classic ist sogar für 24,95 Euro zu haben. Wirst Du diese faire Updatepolitik in Zukunft beibehalten und kannst Du die Kritik an den Preisen verstehen?
Stefan Meyer-Kahlen: Ja, klar kann ich die Kritik verstehen, wenn Shredder auf einmal teurer wird. Es ist aber so, dass die Entwicklung, Wartung und Verbesserung einer parallelen Suche sehr zeit- und arbeitsintensiv ist. Mit dem bisherigen Preis war das nicht zu finanzieren, das haben andere eher erkannt als ich. Ich denke aber trotzdem, dass (Deep) Shredder 9 ein immer noch sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis hat. Das Update von Shredder Classic auf Shredder 9 UCI ist hart an der Schmerzgrenze. Ich denke aber, dass dies ein Sonderfall ist, da viele Kunden Shredder Classic in dem Glauben gekauft haben, dass Sie einen Shredder mit voller Spielstärke bekommen. Denen kann ich nicht einfach sagen „vielen Dank, aber jetzt zahlt mal richtig, wenn Ihr Shredder haben wollt.“ Über die Preise und Updates der nächsten Shreddergeneration habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, meinen Stammkunden ein gutes Angebot zu liefern.
Zurück zu Frank ...
Danke Alex, ich muss einfach noch mal bei Troja ansetzen ... 13. Frank Quisinsky: Seinerzeit machten sich die griechischen Krieger mit tausenden von Schiffen nach Troja auf. Das Schiff mit dem schwarzen Segel (Achilles und sein Gefolge) führte die anderen Schiffe an. Wir könnten uns auch bildlich vorstellen, dass Du und nicht Achilles am Bug des Schiffes stehst und konzentriert nach vorne aufs offene Meer schaut. Welches Logo würde Dein schwarzes Segel zieren?
Du darfst Dir nur ein Logo aussuchen. Beachte, hinter Dir fahren die Schiffe der Engine Programmierer.
Stefan
Meyer-Kahlen:
14. Frank Quisinsky: Nachdem Du Dein Boot in Troja anlegen und Dich der ersten stürmischen Angriffe erwähren konntest, tauchen zur rechten Flanke Reiter mit Chess960 Fahnen auf. Der Heerführer kommt auf Dich zu und streckt Dir provokativ ein Zepter entgegen.
„Der Herrscher von Mainz verlieh mir dieses Zepter! Möchtest Du Chess960 in Dein UCI Protokoll implementieren?“ Tausende Personen verfolgen die Szene im Internet … wie ist Deine Antwort?
Anmerkung: Chess960 oder auch bekannt unter FRC (Fischer Random Chess).
Stefan
Meyer-Kahlen:
15. Frank Quisinsky: Für mich bedeutet ein freies Protokoll “Kompatibilität”. Kompatibilität sorgt für Animation! Martin Blume (Arena Programmierer) findet die 6 Erweiterungen von UCI II richtig gut. Sehr interessant ist unter anderem die Möglichkeit, Engines nach ELO abzuschwächen. Leider ist diese Option noch nicht von einem Engine Programmierer realisiert wurden. Hast Du es selbst in Shredder 9.0 implementiert bzw. hast Du Shredder Classic 1.2 volle UCI II Unterstützung gegönnt?
Stefan Meyer-Kahlen: Ja klar, ab Shredder Classic 1.0 unterstützt GUI und Engine alle Erweiterungen. Die Erweiterungen sind übrigens in endlosen Diskussionen mit anderen Programmieren entstanden und waren viel zeitintensiver als ich es eigentlich geplant hatte. Ich würde die Erweiterungen übrigens nicht UCI II nennen, da sie bewusst (fast) vollständig auf- und abwärtskompatibel sind.
16. Frank Quisinsky: Stefan, es macht nicht wirklich Sinn ein drittes Engine Protokoll für Chess960 zu entwickeln. UCI bietet sich für Chess960 förmlich an und dessen sind sich viele Personen aus der Chess960 Fraktion einig. Möglich wäre es natürlich ein eigenes Chess960 Engine Protokoll auf die Beine zu stellen aber muss das wirklich sein? Jedes weitere Protokoll würde nur zu einer weiteren Unsicherheit bei Anwendern führen. Es wäre schön, wenn es zu einem UCI III mit Chess960 Erweiterungen kommen könnte!
Wäre es für Dich akzeptabel, wenn ein anderer Programmierer UCI III mit Chess960 Erweiterungen programmiert bzw. die Spezifikation von Chess960 in das UCI III Protokoll einbettet?
Anmerkung: Ich weiß überhaupt nicht wie Stefan zum Thema Chess960 steht. Sofern Stefan kein Chess960 Fan ist bzw. dem Thema überhaupt nichts abgewinnen kann, sollte der unangetastete Vorteil von UCI auch für die Chess960 Gemeinde nutzbar sein. Ferner ist die Frage eigenmächtig und ohne Absprache mit Chess960 Verantwortlichen von mir gestellt wurden. Es ist derzeit lediglich in der Chess960 Fraktion in Diskussion, auch hinsichtlich Protokolle eine Einheit zu schaffen. Reinhard Scharnagl hat sich für diesen Bereich schon mehrfach stark gemacht und selbst einige sehr gute Ideen entwickelt. Selbst schreie ich nach Kompatibilitäten und beim Chess960 sollte einheitlich ein Standard definiert sein.
Stefan
Meyer-Kahlen:
17. Frank Quisinsky: Würdest Du heute die wagemutige Entscheidung ein Engine Protokoll zu programmieren erneut treffen? Bitte berücksichtige Deinen ganzen zeitlichen Aufwand, den Du bereits auf Dich genommen hast. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele E-Mails Du zum Thema UCI beantwortet hast!
Stefan Meyer-Kahlen: Richtig, wo oben beschrieben habe ich schon sehr viel Zeit in UCI investiert, viel mehr, als ich ursprünglich gedacht hatte. Ich denke aber schon, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Ich brauche ja gutes Protokoll für die Verbindung meiner GUI mit meiner Engine, UCI ist sehr gut dafür geeignet. Ich bin aber froh, dass es nun so ein Protokoll gibt und ich es nicht ein neues entwerfen muss.
18. Frank Quisinsky: Du kannst nicht schlafen, schleppst Dich mitten in der Nacht zu Deinem PC, weil Dir eine neue Idee nicht aus dem Kopf geht. Du schaltest den Rechner ein und eine Elfe begrüßt Dich auf Deinen Bildschirm?! Sie spricht zu Dir:
„Stefan, Du bereitest tausende von Personen mit Deinen Aktivitäten im Computerschachbereich viele schöne Stunden. Du hast nun einen Wunsch frei“
Du überlegst
und denkst Dir … ich lösche sicherheitshalber vorher noch schnell meinen
Papierkorb. Dabei stürzt der Rechner mit folgender Grafik ab:
Bei der enormen Spielstärke von Shredder werden sicherlich viel versprechende Ideen schnell wieder in den Papierkorb landen. Es ist für die Mehrzahl der Anwender nicht mehr nachvollziehbar, dass Du Shredder überhaupt noch verbessern kannst. Ich konnte durch diese Grafik und dem kleinen Trick unserer Elfe nun erstmalig Deinen Papierkorb bewundern. Schaut die Realität wirklich so aus? Wie hoch ist der prozentuale Anteil der Ideen, die sich dann doch in Luft auflösen? Du kannst uns natürlich auch verraten was Du Dir von der Elfe gewünscht hättest :-)
Stefan Meyer-Kahlen: Ganz so dramatisch ist es nicht, aber wie oben schon erwähnt ist vieles für den Papierkorb. Ganz sinnlos ist es aber nie, den mit der Zeit habe ich so ein ganz gutes Gefühl entwickelt, was geht und was nicht geht. Das stimmt natürlich nicht immer völlig, jedoch kann man viele Ideen vorher ohne große Gefahr aussieben und sich auf die Erfolg versprechenden Ideen konzentrieren. Der Trick beim Wünschen ist doch der, dass man nicht verraten darf, was man sich gewünscht hat, oder? Wenn ich aber wirklich einen Wunsch hätte, wäre es sicher nichts aus dem Bereich Computerschach, denn es gibt im Leben und auf der Welt sicher deutlich Wichtigeres.
Zurück zu Alex …
Danke Frank, nun aber wieder zurück von Troja und den Elfen in die harte Realität! 19. Alexander Schmidt: Frank hat ja schon die Vorteile des von dir mitentwickelten UCI Protokolls angesprochen, Stichwort “Kompatibilität”. Viele User Wünschen sich die uneingeschränkte Nutzung der favorisierten Engine unter der favorisierten GUI. Gehört dazu nicht auch die Nutzung des Originalen Eröffnungsbuches? Besteht eine kleine Hoffnung für uns, dass die Shredder Engine zukünftig das großartige Eröffnungsbuch von Sandro Necchi auch unter fremden Oberflächen nutzen kann?
Stefan Meyer-Kahlen: Ich habe hier in letzter Zeit sehr viele Anfragen dazu bekommen, die ich nicht alle ignorieren kann. Beim Konvertieren eines Buches treten aber immer wieder Probleme auf, da nicht alle Buchformate die gleichen Dinge unterstützen. Ich mache mir aber schon wie gesagt ein paar Gedanken hierzu.
20. Alexander Schmidt: Die Faszination im Computerschach liegt unter anderem in dem ständigen Kampf der besten Menschen gegen die besten Maschinen. In den bekannten Events der letzten Jahre vertrat aber meist Fritz die Seite der Maschinen. Warum gab es noch kein Match zwischen Garry Kasparov und Shredder und wie stehen die Chancen für einen solchen Vergleich?
Stefan
Meyer-Kahlen:
21. Alexander Schmidt: Unter den Menschen ist Garry Kasparov dominant, gegen Computer hatte er aufgrund seiner offensiven Spielweise in der Vergangenheit oft Probleme. Könnte ein Großmeister mit einer konsequenten Anti-Computer-Strategie nicht gegen die derzeitigen Maschinen mit Leichtigkeit dominieren oder kann ein gut abgestimmtes Eröffnungsbuch oder andere Techniken dies verhindern? Wie ist Shredder auf den Kampf gegen die Menschen vorbereitet?
Stefan
Meyer-Kahlen:
22. Alexander Schmidt: Die Schachprogramme werden dank verbesserter Hardware und neuen Ideen in der Schachprogrammierung immer stärker. Auch auf die Gefahr hin, dass Du diese Frage schon häufig beantworten musstest: Werden die besten Programme in absehbarer Zukunft von Menschen überhaupt noch zu bezwingen sein oder wird eine neue Generation von Großmeistern mit den Schachprogrammen heranwachsen und sich besser auf die Maschinen einstellen können?
Stefan
Meyer-Kahlen:
23. Alexander Schmidt: Vielen Dank, dass Du dich zu diesem Interview bereitgestellt hast und für die vielen interessanten Einblicke in deine Gedanken und die Entwicklung von Shredder. Bevor Du nun losrennst und dir die Troja DVD kaufst: Gibt es noch irgendetwas das Du deinen Fans mitteilen möchtest?
Stefan
Meyer-Kahlen:
Schweich, 02. Februar 2005 |